Transformationsprozesse

Der Wandel von Hochschulen und Wissenschaft

CHESS geht von einem tiefgreifenden Strukturwandel der Hochschulen als Stätten wissenschaftlicher Forschung und Lehre aus, der sich in unterschiedlichen Transformationsprozessen beschreiben lässt. Dieser Strukturwandel ist teils das Ergebnis intendierter Steuerungsversuche, teils Resultat endogener Veränderungen von Forschungs‐ und Lehrpraktiken in verschiedenen wissenschaftlichen Feldern. Er folgt oft keiner einheitlichen Logik, sondern enthält unterschiedliche, teils widersprüchliche Facetten, die Gegenstand sozialer Aushandlungsprozesse sind. CHESS fokussiert u.a. die folgenden Transformationen:

Managerialisierung

Ausgelöst durch den Rückzug des Staates aus der direkten Steuerung der Hochschulen und ihren beträchtlichen Autonomiegewinnen der letzten Jahre befinden sich Hochschulen in einem umfassenden (Re‐)Organisationsprozess. Dabei werden ‐ in jeder Hochschule unterschiedlich akzentuiert ‐ das organisationale Selbstverwaltungsmodell einerseits und das Managementmodell andererseits zu hybriden Formen universitärer Organisation verschmolzen.

Professionalisierung

Auf allen Stufen der Hochschulorganisation steigen die Ansprüche an die Professionalität der Führungs‐ und Verwaltungsarbeit (etwa bzgl. strategischer, finan‐ zieller oder infrastruktureller Fragen). Zudem werden mehr Stellen für die Koordination und Organisation wissenschaftlichen Handelns geschaffen, welche nicht eindeutig der Verwaltung oder der Wissenschaft zugeordnet werden können und die mit den Begriffen „neue Hoch‐ schulprofessionelle“ oder „Third Space“ beschrieben werden.

(Ent‐)Differenzierung

Mit Bezug auf Hochschulen und Wissenschaft werden momentan Vor‐ und Nachteile sowie Modelle der Differenzierung und Entdifferenzierung diskutiert. In der Diskussion über Universitäten, Fachhochschulen, Pädagogische Hochschulen etc. zeigt sich dies u.a. in Debatten über die gesellschaftliche Rolle dieser Institutionen und daraus resultierende Vorstellungen über Lehr‐Aufgaben, Promotionsrecht und Finanzierungsmodelle

Veränderung des Bildungsauftrags

Nicht nur durch die Bologna‐Reform, aber durch sie akzentuiert verändern sich Bildungsauftrag und Lehre an den Hochschulen. Modularisierung und Kreditierung, die immer deutlichere Dreigliederung des Studiums (BA, MA, PhD), aber auch das neue Spannungsfeld zwischen unterschiedlichen Orientierungen von Hochschulen und Fachbereichen (Berufsfeldorientierung im Sinne von employability vs. Disziplinen‐ orientierung) führen zur Veränderung universitärer Bildung.

Medialisierung

Universitäten, Forschungsinstitute und einzelne Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stehen zunehmend unter verstärkter Aussenbeobachtung. Die gesellschaftliche Wahrnehmung ihrer Qualität und Reputation hängt auch von ihrem Abschneiden in Hochschul‐Rankings oder dem Tenor der Medienberichterstattung ab. In Hochschulen und Wissenschaft führt dies teils zu Anpassungsprozessen mit dem Ziel, eine möglichst positive Aussendarstellung und Reputationsgewinne zu erzielen.

Digitalisierung

Hochschul‐Organisationen und wissenschaftliche Praxis werden im Gleich‐ schritt zu anderen gesellschaftlichen Bereichen momentan durch die Digitalisierung geprägt, verändert und herausgefordert – mit noch unklaren Folgen. Diese Veränderungen betreffen Forschung (z.B. Open Access, Altmetrics), Lehre (z.B. Massive Open Online Courses) und das Verhältnis zur Gesellschaft (z.B. Open Science, Citizen Science).